Echte Seide erkennen
Haptik, Licht, Struktur und Brennprobe: verschiedene Hinweise, um echte Seide zu erkennen.
Echte Seide allein am Aussehen zu erkennen, ist nicht immer einfach. Manche synthetischen Stoffe ahmen ihre Weichheit, ihren Schimmer oder ihren Fall inzwischen sehr überzeugend nach. Kein einzelnes Merkmal reicht als Beweis aus. Um Seide zu bestimmen, sollten mehrere Hinweise gemeinsam betrachtet werden: Haptik, Lichtwirkung, der Vergleich mit Polyester und – wenn Sie genauer prüfen möchten – die Brennprobe.
Wie erkennt man Seide an der Haptik?
Seide ist zunächst eine Naturfaser. Aus der Faser wird Garn gesponnen, das anschließend zu Stoff verwoben wird. Die Webart beschreibt, wie die Garne miteinander verschränkt sind.
Darum können sich zwei Seidenstoffe sehr unterschiedlich anfühlen. Seidensatin ist meist besonders glatt und rutschig, während Seidentwill etwas mehr Griff hat. Crêpe ist strukturierter, Chiffon leichter und luftiger.
Auch Garnstärke, Stoffgewicht und Webart beeinflussen die Haptik – ebenso wie die Faser selbst.
Seide ist meist weich, geschmeidig und fließend, lässt sich aber allein mit den Fingern nur schwer sicher erkennen. Manche modernen Polyesterstoffe sind ebenfalls sehr fein und fühlen sich angenehm an. Die Haptik ist daher ein erster Hinweis, aber kein Beweis.
Wie unterscheidet man Seide von Polyester?
Seide und Polyester können sich optisch ähneln, sind jedoch grundsätzlich verschieden. Seide ist eine natürliche Faser tierischen Ursprungs, die hauptsächlich aus Proteinen besteht. Polyester ist eine synthetische Faser.
Polyester kann einzelne Eigenschaften von Seide nachahmen, etwa ihren Schimmer oder ihre Weichheit. Sein Verhalten bleibt dennoch anders. Seide fällt meist lebendiger, zeigt feinere Lichtnuancen und nimmt Feuchtigkeit besser auf, wodurch sie sich angenehmer auf der Haut trägt.
Polyester wirkt dagegen häufig gleichmäßiger und nimmt nur sehr wenig Feuchtigkeit auf.
Mit Auge und Hand sind die Unterschiede nicht immer eindeutig. Bei Hitze werden sie deutlicher: Seide verkohlt, Polyester schmilzt. Das lässt sich mit einer Brennprobe beobachten.
Wie kann man Seide testen?
Sicht- und Haptiktests liefern nützliche Hinweise, führen aber nicht immer zu einem eindeutigen Ergebnis. Wer genauer prüfen möchte, kann das Verhalten der Faser direkt untersuchen, insbesondere mit einer Brennprobe.
Jedem Tuch von Soie de Siam liegt ein kleines Muster derselben Seide bei, aus der es gefertigt wurde. So können Sie die Faser anfassen oder testen, ohne einen Faden aus dem Tuch zu ziehen.
Wie führt man eine Brennprobe bei Seide durch?
Bei der Brennprobe lässt sich das Verhalten der Faser direkt beobachten. Besonders aussagekräftig sind drei Merkmale: die Reaktion auf die Flamme, der Geruch und die Rückstände nach dem Verbrennen.
Für die Probe genügen wenige Fasern.
Wie verbrennt echte Seide?
Seide zieht sich zusammen und verbrennt langsam. Dabei entsteht ein deutlicher Geruch nach verbranntem Haar. Zurück bleibt ein dunkler, spröder Rückstand, der sich nach dem Abkühlen leicht zerdrücken lässt.
Wie verbrennt Polyester?
Polyester schmilzt bei Hitze und bildet beim Abkühlen meist einen kleinen harten Rückstand. Sein Geruch ist eher chemisch; der Rückstand zerfällt nicht wie bei Seide.
Wie nennt man künstliche Seide?
Eine Faser mit der offiziellen Bezeichnung „künstliche Seide“ gibt es nicht. Gemeint sind damit meist Materialien, die Aussehen oder Griff natürlicher Seide nachahmen.
Polyester ist eines der häufigsten Beispiele. Aus dieser synthetischen Faser lassen sich glatte, glänzende und fließende Stoffe herstellen.
Auch Viskose aus regenerierter Zellulose kann durch ihren Fall und ihre Weichheit an Seide erinnern. Sie gehört zur Gruppe der Rayon-Fasern; im Englischen werden sie oft ebenfalls rayon genannt.
Der Begriff „Kunstseide“ wurde historisch für einige dieser Fasern verwendet, besonders für die ersten Rayonfasern, die das Aussehen von Seide nachbilden sollten.
Sind Satin und Seide dasselbe?
Nein. Seide bezeichnet eine Faser, Satin dagegen eine Art der Webbindung.
Satin kann deshalb aus echter Seide, aber auch aus Polyester, Viskose oder anderen Fasern bestehen.
Charmeuse ist zum Beispiel ein leichter, fließender Satin, der auf der Vorderseite meist glänzt und auf der Rückseite matter ist. Seidencharmeuse ist Charmeuse aus Seidengarn.
Dasselbe gilt für Twill oder Serge: Es handelt sich um eine Webart. Seidentwill ist schlicht ein Köpergewebe aus Seidengarnen.
Die Bezeichnung „Satin“ allein verrät also nicht, ob ein Stoff aus Seide besteht.
Handelsbezeichnungen, die verwirren können
In Thailand können manche Handelsbezeichnungen verwirrend sein, wenn man den lokalen Textilmarkt nicht kennt.
Dort werden zum Beispiel Stoffe als „Italian Silk“ oder ไหมอิตาลี verkauft. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht unbedingt um Naturseide oder um Stoffe aus Italien. Die Bezeichnung kann sich insbesondere auf Polyesterstoffe beziehen.
Auch Begriffe mit „Silk“ oder „Satin Silk“ können für synthetische Stoffe verwendet werden.
Das bedeutet nicht, dass diese Begriffe überall dasselbe bezeichnen: Satin aus echter Seide gibt es selbstverständlich. Das Beispiel aus Thailand zeigt lediglich, warum man den Handelsnamen eines Stoffes von der Faser unterscheiden sollte, aus der er tatsächlich besteht.


